{"id":130,"date":"2017-11-27T16:43:42","date_gmt":"2017-11-27T15:43:42","guid":{"rendered":"https:\/\/erzgebirge.linksjugend-sachsen.de\/?p=130"},"modified":"2022-07-13T21:18:52","modified_gmt":"2022-07-13T19:18:52","slug":"unsere-position-zur-bildungspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/erzgebirge.linksjugend-sachsen.de\/index.php\/2017\/11\/27\/unsere-position-zur-bildungspolitik\/","title":{"rendered":"Unsere Position zur Bildungspolitik"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-131\" src=\"https:\/\/erzgebirge.linksjugend-sachsen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/plakat-bildung-300x215.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/erzgebirge.linksjugend-sachsen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/plakat-bildung-300x215.jpg 300w, https:\/\/erzgebirge.linksjugend-sachsen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/plakat-bildung-768x551.jpg 768w, https:\/\/erzgebirge.linksjugend-sachsen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/plakat-bildung.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Bildungspolitik also. Nun gut. Die Anfrage lief in etwa unter dem Titel \u201eWas habt ihr denn da so f\u00fcr Beschl\u00fcsse?\u201c. Nun ist der Punkt, dass Beschl\u00fcsse und Programme f\u00fcr eine Debatte innerhalb eines Jugendverbandes (oder auch einer Partei) manchmal wichtig sind, sonst aber in der Regel wirklich keine Sau interessieren. Zumindest fast keine Sau. In diesem Beitrag soll es also eher darum gehen, was sich die Linksjugend [&#8217;solid] Sachsen in etwa unter einer progressiven Bildungspolitik vorstellt und was unsere \u2013 auch grunds\u00e4tzliche \u2013 Kritik am aktuellen Bildungssystem ist.<br \/>\nWenn wir \u00fcber Bildung sprechen, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst eine Vorstellung davon haben, was wir meinen, wenn wir \u201eBildung\u201c sagen. Diese Frage ist nicht banal, da sich der Inhalt des Bildungsbegriffs \u00fcber die Jahrhunderte entwickelt hat. Einer der wesentlichen historischen Umschlagpunkte war der Wechsel hin zur Subjektivit\u00e4t: nach dem Bildung also keine erzieherische Macht von au\u00dfen ist, sondern der Prozess sich diejenigen Handwerkszeuge und Methoden anzueignen, die f\u00fcr die Entfaltung der eigenen Person relevant sind. Gleichwohl war die gesellschaftlich organisierte Bildung in Schulen und anderen \u201eBildungseinrichtungen\u201c stark auf Wissensvermittlung und Lernen beschr\u00e4nkt und dar\u00fcber hinaus noch viele Jahrzehnte auch oft untrennbar mit psychischer und physischer Gewalt verkn\u00fcpft. Die physische Gewalt seitens der Lehrer_innen ist aus den Schulen mittlerweile verschwunden. Psychischer Druck jedoch \u2013 und zwar auch abseits von Mobbing unter den den Sch\u00fcler_innen \u2013 ist nach wie vor virulent. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Wendung zur Subjektivit\u00e4t nie wirklich konsequent vollzogen worden ist. Die Selbstentfaltung w\u00fcrde, konsequent als Ma\u00df gesetzt, Vergleichbarkeit schwer machen. Nun sind Vergleichbarkeit und Leistungsdruck jedoch das wesentliche Element unseres Schulsystems. Schulen werden gegliedert nach sogenannten \u201eleistungsstarken\u201c und \u201eleistungsschwachen\u201c Sch\u00fcler_innen. In den Schulen selbst sind Noten dann das Instrument der Vergleichbarkeit und zwischen den Schulen l\u00e4uft ebenfalls ein Bewertungswettbewerb um m\u00f6glichst gutes Abschneiden bei den bundesweiten und europ\u00e4ischen Vergleichstests. Des Pudels Kern bei diesem Vergleichs- und Leistungsmarathon ist, dass die Vergleichbarkeit eben nicht in der \u201eNatur der Sache\u201c liegt sondern mittels Druck erst hergestellt werden muss. Es wird also \u201everglichen\u201c im doppelten Sinne: einerseits ist der Vergleich ein rein empirischer Akt der Analyse und andererseits ist er jedoch auch Vergleichung, der durch die Setzung und Anwendung von Normen auch aktiv auf das Gleichmachen der Ungleichen, n\u00e4mlich der verschiedenen Individuen, abzielt. Pers\u00f6nliche Bed\u00fcrfnisse und Interessen werden in diesem Prozess zum Leidwesen vieler der Betroffenen unsanft eingeebnet.<br \/>\nAn dieser Stelle des Beitrag ist vorstellbar, dass einige mit den Augen rollen, sich am Kopf kratzen und sich fragen: \u201eDiese Linken, sind das nicht die, die immer alles gleich machen wollen im Bildungsbereich? Und jetzt reden die hier von den Schlechtigkeiten des Gleichmachens, da stimmt doch was nicht!\u201c. Lasst uns das deshalb an dieser Stelle klarstellen: einer emanzipatorischen Bildungspolitik muss es wie oben dargelegt darum gehen, die Selbstentfaltung der Einzelnen und damit die einzelnen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Dies wird jedoch durch unser Bildungssystem unterlaufen. Die Unterschiede (in der \u201eLeistungsf\u00e4higkeit\u201c) von Sch\u00fcler_innen, die von konservativen und wirtschaftsliberalen Positionen immer wieder als naturgegebener Unterschied der einzelnen Sch\u00fcler_innen dargestellt wird, l\u00e4sst die Reproduktion sozialer Ausgrenzung unter den Tisch fallen.<br \/>\nDiese Reproduktion des Sozialen meint, dass im Bildungsbereich die Teilhabe und \u201eErfolgsaussichten\u201c der Einzelnen ganz wesentlich von ihrer sozialen Herkunft abh\u00e4ngt. Das meint, dass die Sch\u00fcler_innen der \u201eh\u00f6heren\u201c Schulen stark \u00fcberproportional aus Elternh\u00e4usern oder Milieus stammen, die finanziell oder bildungs\u00f6konomisch \u00fcberdurchschnittlich privilegiert ist. Das stellen \u00fcbrigens nicht nur uns politische m\u00f6glicherweise nahestehende Verb\u00e4nde wie die Bildungsgewerkschaft GEW, sondern beispielsweise auch die Shell Jugendstudie, die OECD und sogar die Unternehmensberater_innen von McKinsey fest. Der enormen Abh\u00e4ngigkeit von sozialer und \u00f6konomischer Herkunft kann in der Schule muss jedoch bereits vorher begegnet werden. Nicht alle Elternh\u00e4user k\u00f6nnen ihre Kinder gleicherma\u00dfen bilden und f\u00f6rdern. Hier ist gesellschaftliche Verantwortung gefragt, damit Kinder fr\u00fch dazu bef\u00e4higt werden, tolerant und sozial gegen\u00fcber anderen zu sein und zu handeln. Uns ist daher wichtig, dass den Kindern aller Familien kostenfreier und bedingungsloser Zugang zu Bildung ab dem KiTa-Alter gew\u00e4hrt wird. Dazu z\u00e4hlen f\u00fcr uns zum Beispiel der kostenfreie KiTa-Besuch, die Abschaffung des gegliederten Schulwesens und die individuelle F\u00f6rderung aller Sch\u00fcler_innen in einer Schule f\u00fcr alle, eine kostenfreie Mittagsversorgung in KiTa und Schule und ein beitragsfreies Sch\u00fcler_innen-Ticket.<br \/>\nSchule muss sich an die St\u00e4rken, Schw\u00e4chen und Neigungen der Sch\u00fcler_innen anpassen \u2013 und nicht anders herum. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, fordern wir die R\u00fccknahme der Oberstufenreform an den Gymnasien, welche die Entscheidungsm\u00f6glichkeiten der Sch\u00fcler_innen weiter eingeschr\u00e4nkt und das Kurssystem quasi abgeschafft hat. Alternativ fordern wir Wahlm\u00f6glichkeiten in Form eines Kurssystems in den ersten Schuljahren in anderer Form.<br \/>\nDie Schule der Zukunft ist die Schule der Sch\u00fcler_innen. Dies gelingt aber nur durch Mitbestimmung. Deshalb streben wir die radikale Demokratisierung aller Bildungseinrichtungen und die Abschaffung der bestehenden autorit\u00e4ren Strukturen an. Demokratie an Schulen hei\u00dft f\u00fcr uns nicht nur Mit-Wirkung, sondern vor allem aktives Mit-Gestalten, das hei\u00dft: Sch\u00fcler_innen und Lehrer_innen f\u00e4llen gemeinsam Entscheidungen.<br \/>\nDas Schulplenum als Versammlung aller Sch\u00fcler_innen und Lehrer_innen ist dabei das h\u00f6chste beschlussfassende Gremium einer Schule. Hier sollen Sch\u00fcler_innen und Lehrer_innen gemeinsam mehr Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und Schulautonomie erhalten.<br \/>\nJeder Sch\u00fcler und jede Sch\u00fclerin ist verschieden und kann deshalb in kein einheitliches Messsystem gepresst werden. Hier lehnen wir die Bewertung durch Noten ab, Noten sind nur Druckmittel, es geht dabei gar nicht um Lernen und Entwicklung. Stattdessen treten wir ein f\u00fcr alternative Entwicklungshilfen wie Lernentwicklungsberichte oder das Portfolioprinzip.* (* = Sch\u00fcler_innenleistungen werden in einer Mappe unkommentiert zusammengestellt. Auf diese Weise entsteht ein Eindruck in Begabungen und F\u00e4higkeiten, ohne Vergleichbarkeit herstellen zu wollen. )<br \/>\nWichtig sind uns au\u00dferdem umfassende Barrierefreiheit und die fl\u00e4chendeckende inklusive Einrichtung der Schulen und Kinderg\u00e4rten. Bildung kann und soll zudem die vorgegebenen Geschlechterrollen aufbrechen und in Frage stellen. Nur so verhindern wir die Ungleichberechtigung der Geschlechter und die Fortschreibung der Unterdr\u00fcckung Einzelner innerhalb ihrer Rolle auch im Bildungswesen.<br \/>\nWir lehnen private und kirchliche Tr\u00e4ger von Schulen ab, die zu kommerziellen oder religi\u00f6sen Zwecken eigene Schulen betreiben. Freie Schulen, die alternative Lernkonzepte und eine m\u00fcndige Auffassung gegen\u00fcber der Gesellschaft vermitteln, sehen wir als Motoren der \u00f6ffentlichen Schulen und Alternativen zum derzeitigen Schulsystem; langfristig jedoch wollen wir eine freie Schule f\u00fcr alle, in der die Sch\u00fcler_innen selbst ihre Lerninhalte bestimmen k\u00f6nnen. Wir folgen au\u00dferdem dem Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche und fordern die Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen und stattdessen die Einf\u00fchrung eines umfassenden philosophisch-ethischen Lernangebotes f\u00fcr alle, das Bildung \u00fcber die verschiedenen Religionen mit einschlie\u00dft.<br \/>\nDiese alternativen Schulmodelle sollen finanziell so ausgestattet werden, dass sie kein Schulgeld erheben m\u00fcssen und somit keine Sch\u00fcler_innen aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden ausgeschlossen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nBildung ist f\u00fcr uns ein Schl\u00fcssel zu Selbsterm\u00e4chtigung und gemeinsamer Gestaltung der Gesellschaft. F\u00fcr uns ist die Schule keine Paukanstalt, sondern ein Ort, an dem jede_r in seiner\/ihrer eigenen Entwicklung unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Bildungspolitik also. Nun gut. 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