Wer in ländlichen Regionen wohnt, kennt sicherlich auch dieses Gefühl: es ist abends, 20 Uhr an der Bushalltestelle und ihr stellt fest, dass kein Bus mehr zur nächsten Party fährt. Oder andersherum – nach einem schönen Freibad-Nachmittag habt ihr den letzten Bus verpasst. Scheiße.

Schlechter Öffentlicher Personennahverkehr – kurz ÖPNV – wird dann oft durch den privaten „Fahrdienst“ übertüncht. Für unerträgliche Wartezeiten von Schüler*innen springen oft die Eltern ein. Fahrgemeinschaften werden gebildet. Man tauscht sich in der Klasse aus. Und mit dem eigenen Führerschein scheinen all diese Sorgen verflogen. Damit ist man regelrecht auf ein eigenes Auto angewiesen.

Ist die Forderung eines kostenlosen ÖPNV nur eine Altersfrage?

Mitnichten! In Zeiten des Klimawandels, ist es wichtig alternative Verkehrspolitik zu fördern. So trägt der Verkehrssektor in Deutschland mit ca. 20 Prozent erheblich zu den Treibhausemissionen bei, wobei die private Autonutzung den größten Anteil hat. Außerdem wird der hohe Ausstoß von Feinstaub, Stickstoffoxiden, Benzol und flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen, vor allem in den Städten zu einer starken gesundheitlichen Belastung. Bis heute wird das Straßennetz von der Politik bevorzugt. So stellt der Bund für den Straßenbau jedes Jahr aufs Neue viel mehr Geld zur Verfügung als für das Schienennetz. Das heißt ÖPNV kann zur Senkung der Treibhausemission beitragen und gleichzeitig die Mobilität fördern.

Worauf warten? Los, los, los..

Deshalb stehen wir für eine nachhaltige und sozialgerechte Verkehrspolitik – sowohl in Stadt als auch Land – ein, die auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist. Die Linksjugend [`solid] Erzgebirge fordert von im Landkreis Erzgebirge eine bessere Ausarbeitung der Bus- und Bahnverbindungen im Erzgebirgskreis, sowie mehr Radwege, Spielstraßen und einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr. Auch soll der ÖPNV für jeden frei zugänglich sein. Dies ist für das Erreichen der UN-Klimaschutzziele wichtig und reduziert die Unabdingbarkeit eines Autos. Gleichzeitig könnte die selbsternannte Montanregion ein verkehrspolitisches Vorbild sein und die eigenen Ansprüche des Welterbes gerecht werden.

Und auf Arbeit?

Es ist für berufstätige Menschen eine zunehmende Belastung, wenn Sie ihren Arbeitsplatz nicht ungestört erreichen oder verlassen können. In einer Region wo es schon sehr wenige Kulturangebote gibt ist es umso wichtiger für eine gute Erreichbarkeit der Orte zu sorgen, wo es Arbeit bzw. (kulturelles) Leben gibt. Ein an den Bedürfnissen orientierter ÖPNV bedeutet eben auch die Erreichbarkeit sowie sinnvolle Umsetzbarkeit. Im Umkehrschluss gilt es das ökologische Bewusstsein zu stärken.

Wie könnte eine Finanzierung stattfinden?

In einem Land wie Deutschland, welches sich jedes Jahr geschätzte 17 Mrd. € aufgrund fehlender Unternehmenssteuer und nochmal 165 Mrd. Euro allein durch Steuerhinterziehung entgehen lässt, scheint es sinnlos über fehlendes Geld zu diskutieren. Dennoch könnte mit dem Einrichten eines kostenlosen ÖPNV auch eine verkehrspolitische Quelle ergeben. Eine Kraftfahrzeugsteuer gemessen an der Umweltbelastung könnte ein Anfang sein. Ganz nebenbei: mit dem Ausbau von Bus und Bahn sowie der Forschung alternativer Fortbewegungsmittel könnte dem befürchteten Arbeitsplatz-Verlust entgegnet werden.